Die Eroberung des Universums durch ein stinkendes Kind

Als ich den Titel „How Star Wars Conquered The Universe“ das erst Mal las, dachte ich, das (gemeint ist Autor Chris Taylor) ist wieder irgend so ein Nerd, der hofft, dass sich sein Pamphlet besser verkauft, nur weil er SW in den Titel packt. Kurze Zeit später hörte ich ein paar Interviews mit Taylor, was dazu führte, dass ich meinen ersten Eindruck revidierte: zum einen schien Taylor nicht nur irgendein Nerd, sondern tatsächlich ein Star Wars Fan zu sein (und zwar keiner in der Art von: „Klar liebe ich Star Wars, speziell diesen großen Kerl in schwarz und diesen anderen Typen, der mit dem großen Hund herumfliegt“). Und zweitens ist sein Buch nicht irgendein Pamphlet, sondern ein durchaus ernsthaftes, unterhaltsames und gut recherchiertes Werk, für dessen Erstellung der Autor durchaus einige Mühen und Kosten auf sich genommen hat (nicht zuletzt flog er 2013 für einige Interviews zur Celebration nach Essen).

Das Buch liegt aktuell nur in englischer Sprache vor und kostet je nach Ausgabe zwischen knapp 7 und knapp 22 EUR. Zusätzlich ist auch eine Audiobook Ausgabe davon erhältlich. Eine deutsche Version ist für November 2015 angekündigt.

Die Themen, die in „How Star Wars Conquered the Universe“ behandelt werden lassen  sich grundsätzlich in zwei Bereiche gliedern:

  • Die Entstehungsgeschichte der Saga
  • Spezielle Aspekte des SW Fandoms

Die beiden Themen wechseln einander dabei ab: so folgt auf ein Kapitel, das sich mit der Genesis von Episode IV beschäftigt, etwa eines, das von Steve Sansweet und Rancho Obi-Wan handelt.

Doch sehen wir uns die beiden Bereiche näher an:

Die Entstehungsgeschichte der Saga:

Anders als viele andere Bücher, die zu diesem Thema schon geschrieben wurden, beginnt Taylor diesen Teil seines Buches nicht damit, wie George Lucas begann sein erstes kurzes Treatment darüber zu schreiben, was später ANH werden würde. Ja er beginnt nicht einmal mit den ersten, experimentellen Filmen, die Lucas während seiner Studienzeit gedreht hat, sondern mit dem was GL inspiriert haben muss, eine Geschichte über „Weltraumsoldaten“ zu erschaffen: Die Comics von Buck Rogers und Flash Gordon (und zwar zurückgehend bis in die 20er und 30er Jahre), Bücher über die erste Reise zum Mond oder John Carter auf dem Mars. Für jemanden wie mich, der Buck Rogers fast ausschließlich mit der doch ein wenig dümmlichen Fernsehserie aus den 80ern und Flash Gordon nur mit dem unsäglich schlechten Film aus derselben Zeit verbindet war diese Reise in die erste „Hochzeit“ der Comics durchaus aufschlussreich, zumal Taylor bewusst auch etliche Aspekte dieser frühe Space-Fantasy hervorhebt, die mehr oder weniger direkten Eingang in die SW Saga gefunden haben.

Vieles von dem was Taylor über den „Maker“ schreibt mag eingefleischten Fans bekannt sein, wie etwa seine Leidenschaft für Autorennen, Lucas nahezu tödlichen Unfall, die seinen eigenen Ambitionen in diese Richtung einen abrupten Riegel vorschoben oder seine Zeit an der USC. Dennoch werden wohl die Meisten auch etliche neue Dinge lernen, wie etwa, dass Francis Ford Coppola, den Lucas immer als eine Art Mentor bezeichnete diesen am Anfang nur „stinky kid“ nannte und fast wie einen Sklaven behandelte.

Bei aller Wertschätzung, die Taylor Lucas und seinem Schaffen offensichtlich entgegenbringt stellt er ihn jedoch nicht ausschließlich auf einen Podest, sondern geht durchaus auch auf seine Schwächen und Schattenseiten ein, wie seine Schwierigkeiten zu schreiben, seinen beinahe schon Widerwillen mit Schauspielern zu arbeiten oder seine spätere Ignoranz gegenüber jeder Form von Kritik. Und er schafft es auch Lucas als Mensch darzustellen, wenn er etwa über das Scheitern seiner Ehe mit Marcia schreibt.

Ein Gutteil des Buches widmen sich natürlich der Entstehungsgeschichte der sechs Filme und dennoch ist es mehr als eine Kurzfassung der „Making of“ Bücher. Denn Taylor beschreib durchaus auch Aspekte, die in den offiziellen Lucasfilm Chroniken nicht vorkommen, wie etwa, dass Carrie Fishers häufige Erkrankungen nicht am Wetter oder an verdorbenem Essen lagen, sondern daran, dass sie das Zeug, das sie in den Drehpausen rauchte bzw. schnupfte einfach nicht vertrug.

Alec Guiness massive Abneigung gegenüber der Saga.

Rick McCallums fast schon hündische Unterwerfung gegenüber sämtlichen Wünschen seines Boss.

Oder wie man Alan Dean Foster (der immerhin das erste Werk des Expanded Universe verfasste) bei seiner Rückkehr in die SW Galaxie 2001/2002 fast wie einen Schulbuben behandelt und ihm erstmal einen „Star Wars für Dummies“ Kurs verpasste.

Daneben geht das Buch auch auf die „Dark Times“ ab Mitte der 80er Jahre ein, als die Saga zuerst aus den Kinos, dann aus den Geschäften und schließlich aus den Gedanken der Menschen verschwand, bevor Lucas auf die Idee kam, sein neugewonnenes Interesse an CGI an seinen eigenen Filmen auszuprobieren.

Die Chronik der Saga deckt dabei den Zeitraum bis zum Sommer 2014 ab und umfasst  neben den sechs Filmen und dem EU auch Clone Wars sowie die zu diesem Zeitpunkt noch unbetitelte Episode VII sowie die noch nicht ausgestrahlte „Rebels“ Serie.

Spezielle Aspekte des SW Fandoms

Hier deckt Taylor ein recht breites Spektrum ab. Neben dem schon angesprochenen Steve Sansweet, behandelt er die Entstehungsgeschichte der 501. Legion, ebenso wie die R2 Builder oder die höchst unterschiedliche Entwicklung der SW Fankultur in verschiedenen  Teilen der Erde. Ein ganzes Kapitel widmet er dem Hype vor dem Erscheinen von Episode I und der Menschenmenge, die mehr als ein Monat lang vor dem Coronet Kino kampierten. Und er geht recht exzessiv auf die teils maßlose Endtäuschung dieser Menschen ein, als sie nach der Mitternachtspremiere das Kino verließen. Das ist vielleicht der größte Kritikpunkt, den man dem Buch machen kann. Taylor vermittelt über weite Strecken den Eindruck, dass die absolute Mehrheit der SW Fans (und speziell jene, die mit der OT aufgewachsen sind) die Prequels einfach abgrundtief hassen. Und dies umfasst nicht nur die Kinogänger sondern auch Etliche, die an der Entstehung dieser Filme mitgewirkt haben. Er selbst geht recht ausführlich darauf ein, was ihm an den Episoden I bis III nicht gefällt und viele dieser Punkte treffen meiner Meinung nach (speziell auf ROTS) einfach nicht zu. Zu Taylor’s Ehrenrettung muss man aber auch sagen, dass er letztlich zugibt sich mit der PT arrangiert zu haben und dass er ein langes Interview Bryan Young führte, einem der führenden Proponenten der Prequel Trilogie.

Letztlich muss man Taylor zugute halten, das er für sein Buch weit mehr getan hat, als nur bestehende Publikationen wiederzukäuen, oder klassische Klischees über SW zu bedienen. Man erfährt in seinem Buch nicht warum SW zu dem wurde was es heute ist, sehr wohl aber wie aus de Idee eines Mannes, eine Geschichte im Stil der frühen Weltraum Comics zu erzählen eines der größten Franchises wurde, die es auf diesem Planeten gibt und was Menschen antreibt, sehr viel Zeit und oft noch mehr Geld für diese weit, weit entfernte Galaxis zu investieren.

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