Das ist jetzt alles Canon, Mann!

Zu Zeiten als noch Dark Horse die Star Wars Comics herausbrachte war meine Herangehensweise immer die, dass ich alle Geschichten im Zweifelsfall als kanonisch angesehen habe, solange sie nicht explizit non-canon waren (wie etwa die Meisten der Tales Ausgaben). In vielen Fällen war dies auch recht einfach, da die Handlungen entweder lange Zeit vor oder lange Zeit nach den Filmen angesiedelt waren und selbst jene Hefte, die parallel (oder zumindest in zeitlicher Nähe zur PT oder zur OT) angesiedelt waren oft keine Figuren einhielten, die auch in den Filmen eine Rolle spielten. Insofern musste man sich nur selten die Frage stellen, ob man das, was man in den einzelnen Panels sah auch auf der großen Leinwand vorstellen konnte.

Beides ist mit den Comics, die Marvel seit Januar dieses Jahres unter dem Star Wars Banner herausbringt anders: diese Geschichten haben dieselbe Wertigkeit wie die Filme (oder wie die „Rebels“ Serie) und die Hauptfiguren sind überwiegend Personen, die wir seit fast 38 Jahren ziemlich gut kennen.

Werfen wir heute also einen Blick auf die bisher 4 Comic-Reihen, mit denen Marvel das Erbe von Dark Horse angetreten hat:

Allen Heften ist gemein, dass diese mit einem Opening-Crawl beginnen, der entweder die Ausgangssituation oder das was bisher geschah zusammenfasst. Ich halte das für eine nette Idee.

Star Wars: diese zugegebenermaßen nicht sonderlich kreativ betitelte Flagschip-Reihe machte den Anfang und hat es zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Artikels auf bisher 3 Ausgaben gebracht. Wie fast alle Geschichten, die bis dato unter der neuen Einheitschronologie erschienen sind spielt auch diese zwischen den Ereignisse von Episode IV und V, jedoch nicht unmittelbar nach dem Ende von ANH. Diese fortlaufende Serie beginnt damit, dass Luke, Han, Leia, Chewie und die Droiden versuchen eine nicht unbedeutende imperiale Waffenfabrik zu infiltrieren und zu zerstören, was nur anfangs plangemäß funktioniert und durch das Auftauchen eines gewissen Darth Vaders noch erschwert wird. In Heft zwei kam es fast zum chronologisch ersten Lichtschwertduell zwischen Vater und Sohn, die Macher der Serie erlagen dieser Versuchung jedoch nicht, denn ein solcher Kampf wäre in Lukes aktuellem Status seiner „Jedi-Ausbildung“ wohl kaum glaubwürdig umsetzbar gewesen. Dennoch kann man wohl davon ausgehen, dass Vader im Zuge dieser Reihe erfahren wird, dass es sein Sohn war, der den ersten Todesstern zerstört hat.

Vielfach wurde an dieser Serie bemängelt, dass sowohl AT-ATs als auch die Speederbikes aus ROTJ darin auftauchen. Und auch wenn ich verstehen kann, dass aus einer in-universe Perspektive das Wissen der Rebellenallianz über die Existenz der „Walker“ den Schock über deren Auftauchen in der Schlacht von Hoth vielleicht ein wenig mindern, so wissen wir doch auf der anderen Seite aus „Rebels“, dass dieses Maschinen 5 Jahre vor ANH zumindest schon in Planung waren, warum sollten sie also zur Zeit von Episode IV nicht auch schon in Verwendung gewesen sein. Darüber hinaus erklärt Lukes Flug mit dem Speederbike zumindest woher er in ROTJ so schnell wusste wie man die Funkgeräte der Raketenräder stören konnte.

Ehrlich gesagt habe ich aktuell (noch) ein wenig Schwierigkeiten damit, diese Geschichte als tatsächliche SW-Lore zu akzeptieren, denn manche Ereignisse und Wendungen sind schon ziemlich over-the-top und einfach comic-artig und es fällt mir schwer, diese auf eine Stufe mit den Geschehnissen der filme zu stellen. Was die Optik dieser Serie betrifft, so ist das natürlich eine Geschmacksfrage. Ich persönlich ziehe Comics vor, die möglichst detailgenau und „nahe an der Wirklichkeit“ sind (im Gegensatz zu einem eher skizzenhaften Zeichenstil) und diese Anforderung erfüllt „Star Wars“. Ich habe auch schon mehrfach von Comiczeichern gehört, dass es sehr schwer ist, Luke „kinogetreu“ zu zeichnen und es gibt in diesen bisherigen drei Ausgaben doch einige Darstellungen, die einem jungen Mark Hamill ähnlich sehen.

Darth Vader: hier ergibt sich die Hauptfigur wohl unschwer aus dem Titel. Diese zweite von Marvel gestartete SW Reihe spielt zeitlich parallel zur vorher beschriebenen und hat in der ersten Ausgabe sogar eine Art „Crossover“ mit dieser, was ich für eine nette Idee halte. Ich habe immer noch ein bisschen Schwierigkeiten damit Darth Vader nicht als den omnipotenten Bösewicht zu sehen, als der er in der OT (selbst in Episode IV) dargestellt wurde, sondern als einen mehr oder weniger geprügelten Hund, vor dem im Imperium nach der Schlacht von Yavin kaum mehr jemand Respekt hat. Und doch ist genau das die Ausgangssituation für diese Geschichte, die wohl beschreibt, wie Vader (wieder) zu dem wird, den wir am  Beginn von ESB sehen. Aktuell ist die Serie dabei meiner Meinung nach noch ein wenig in einer Findungs-Phase, denn nach einem sehr starken ersten Heft (mit einem Besuch von Vader auf Tattooine, dem Auftauchen von Boba Fett sowie einem mysteriösen imperialen Agenten, der in der Gunst des Imperators recht weit oben zu stehen scheint) haben die beiden folgenden Ausgabe im Prinzip eigenständige Handlungsstränge erzählt, ohne einen größeren Zusammenhang zwischen diesen herzutstellen. Aber das wird sicher noch kommen. Grafisch gefällt mir der Zeichenstil dieser Reihe ein wenig besser als jener von „Star Wars“.

Princess Leia: diese dritte, auf 5 Hefte anberaumte Serie hat es bisher auf zwei Ausgaben gebracht. Die Geschichte beginnt unmittelbar nach dem Ende von Episode IV, ist also chronologisch die früheste der OT-Geschichten und erzählt von Leias Suche nach Überlebenden von Alderaan, etwas, das schon in der Star Wars Reihe von Dark Horse thematisiert wurde und was mir als Leitmotiv nicht sonderlich überzeugend erscheint. Begleitet wird die Prinzessin auf ihrer Suche von einer jungen X-Flügler Pilotin, die ebenfalls von Alderaan stammt und dem erloschenen Herrscherhaus einerseits auf fast hündische Art und Weise ergeben ist, auf der anderen Seite jedoch keine Gelegenheit auslässt Leia  zu sagen, was für eine unsagbar schlechte Führerin sie doch ist. Auf ihrer bisherigen Suche gelangen die beiden Damen „zufälligerweise“ nach Naboo und Leia verbringt ein paar Augenblicke damit das Bildnis einer traurigen Padme anzustarren, möglicherweise ein zaghafter Versuch Leias „Erinnerung“ an ihre Mutter irgendwie zu retconen. Optisch ist die diese Serie für mich die schwächste der vier. Leia sieht meist aus wie Kim Kadasa…, Karasha…, na ihr wisst schon, die blöde Prolo-Tussi mit dem Riesenhintern, aber nicht wie eine junge Carrie Fisher.

Kanan: diese vierte Marvel SW Reihe ist gerade einmal eine Ausgabe alt, insofern ist eine Aussage über die Qualität natürlich schwierig. Im Gegensatz zu den obigen drei Serien spielt diese am Ende der Klonkriege (die Geschichte beginnt einen Tag vor Order 66) und  in der abschließenden „dark time“ und erzählt wohl wie Kanan bzw, Caleb Dume zu jener Person wurde, die uns am Beginn von „A New Dawn“ begegnet. Caleb ist zu Beginn der Geschichte 15 Jahre alt, wirkt was sein Verhalten betrifft jedoch jünger. Es wäre meiner Meinung nach nett gewesen, die Handlung ein wenig früher starten zu lassen, sodass wir ein bisschen mehr über Calebs Ausbildung unter Depa Billaba erfahren hätten, aber so haben wir wohl nur diese eine Ausgabe mit den beiden (sofern es keine Flashbacks gibt). Aber wir werden erfahren, ob Kanan dem Inquisitor in Bezug auf die letzten Worte seiner Meisterin die Wahrheit gesagt hat. Was den Zeichenstil betrifft, so gefällt mir dieser recht gut.

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3 Gedanken zu „Das ist jetzt alles Canon, Mann!

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