George? George… wer?

“The ones that I sold to Disney, they came up to the decision that they didn’t really want to do those. So they made up their own. So it’s not the ones that I originally wrote.”

Dieser Satz (und ich habe ihn hier bewusst auf englisch und nicht in einer der manchmal etwas unglücklichen deutschen Übersetzungen zitiert) sorgte in den letzten Tagen unter Star Wars Fans für eine gehörige Portion Aufregung.

Und warum auch nicht? Immerhin gibt der Schöpfer der Saga hier unumwunden zu, dass Disney, Kathleen Kennedy, J.J. Abrams oder wer auch immer seine Konzepte für die Sequel Trilogie einfach in die Mülltonne getreten und sich stattdessen etwas komplett Eigenständiges ausgedacht haben. Der „Maker“ und seine Vorstellungen ist also komplett außen vor, sein Vermächtnis mausetot und überhaupt: George Lucas, wer soll das sein?

Ja, ich gebe zu im ersten Moment hat mich der obige Satz auch einigermaßen schockiert (auch noch im zweiten und im dritten) und ja, er hinterlässt immer noch ein gewisses „bad feeling about this“ in mir. Es klingt etwa so als hätte Apple, ein Jahr nach Steve Jobs Tod aufgeatmet, zufrieden genickt, dass der alte Sack weg ist und damit begonnen iPhones mit Tastatur zu bauen, da man ha weis, dass dies so viel cooler und besser ist als dieses Touch-Klumpert.

Doch versuchen wir das Ganze ein wenig zu hinterfragen und in einen Kontext zu platzieren:

1. George Lucas mag keine Interviews

Wahrscheinlich hat er sie noch nie gemocht, außer er kennt den Interviewer sehr gut und vertraut ihm (wie etwa seine großartigen Gespräche mit Robin Williams beweisen). Und je nachdem welches „Verhältnis“ er zu seinem fragenden Gegenüber aufbaut, so agiert er  dann in den Gesprächen auch. In vielen seiner Interviews wirkt er relativ lustlos, oft sogar mürrisch und primär darauf bedacht seinem Gegenüber entweder genau das zu sagen was dieser hören will (damit er endlich zu fragen aufhört), oder auch das genaue Gegenteil (damit dieser so perplex ist, dass er erst recht nicht weiterfragt). Ich kenne Cinemablend (den Urheber des obigen Zitates) ehrlich gesagt nicht, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass dies eine Publikation ist, bei der GL sein Innerstes nach außen kehrt.

Dazu kommt noch, das George eine seltsame Art von Humor hat, die nicht immer als solcher erkennbar ist. Also wer weis, wie ernst die obige Aussage zu nehmen ist?

2. George widerspricht sich gerne

Lucas neigt dazu seine Meinung oft sprunghaft zu ändern. Das berühmteste Beispiel ist wohl die Sequel Trilogie selbst, von der er mehr als 20 Jahre lang behauptete, dass er sie schon mehr als 20 Jahre lang in seinem Kopf habe, bevor er nach Episode III erklärte, dass die Episoden VII bis IX ja niemals geplant waren.

Noch vor wenigen Wochen erklärte er, den Teaser zu TFA nicht gesehen und auch kein Interesse daran zu haben. Nun hat er es offenbar doch getan.

Was also sollte ihn also daran hindern, in ein paar Wochen oder Monaten zu behaupten, dass seine Konzepte fr den Film im Grunde erhalten geblieben sind und nicht komplett verworfen wurden?

3. Was weis George überhaupt?

Als im Oktober 2012 der Verkauf von Lucasfilm an Disney bekannt gemacht wurde gingen alle (und wohl auch GL selbst) davon aus, dass der „Maker“ in beratender Rolle an der Entstehung der nächsten drei Episoden (und vielleicht sogar an den Spinn-offs) beteiligt sein würde. Seitdem gehen die Aussagen über den Grad seiner tatsächlichen Beteiligung an TFA stark auseinander. Währen Jett Lucas, Georges‘ Sohn noch vor rund einem Jahr behauptete, dass Abrams praktisch in ständigem Kontakt mit seinem Vater stünde, erklärte ein hohes Tier von Disney nur wenige Wochen später, dass der Konzern Star Wars mit Mann und Maus (sorry für das Wortspiel) gekauft habe und damit nun machen könne was er wolle (und ein „wir lassen uns von einem festen, alten Mann mit Bart da sicher nicht dreinreden“ schwang dabei nur zu deutlich mit). Lucas selbst erwähnte vor einigen Monaten, dass seine Mitwirkung an dem neuen Film quasi null sei (doch damit sind wir möglicherweise wieder bei den Punkten 1 und 2).

Aber wenn die obigen Aussage tatsächlich stimmen sollte, woher weis George dann überhaupt, dass sie sein Konzepte nicht verwendet haben? Hat man ihm das fertige Drehbuch zur Kenntnis (oder zum Review geschickt)? Hat ihn Kennedy eines Nachmittags nachdem Michael Arndt seinen Drehbuchentwurf abgeliefert hat angerufen und gesagt: „George, es tut mir leid, aber deine Treatments sind echt Mist, wird schmeißen die weg und fangen noch mal ganz vorn Vorne an“? Wenn sich Lucas, wie er immer wieder betont, den nächsten SW Film so wir wie alle mehr oder weniger unvoreingenommen im kommenden Dezember im Kino ansehen will, woher weis er dann jetzt schon, dass das was er sehen wird nichts mit dem zu tun hat was er vor dem Verkauf an Disney geschrieben hat?

4. Was heißt überhaupt nicht verwenden?

Wer die Entstehungsgeschichte der SW Filme nur einigermaßen kennt, der weis auch, dass sich die zugehörigen Drehbücher im Laufe der jeweiligen Entwicklung fundamental geändert haben. Vergleicht man das Story Treatment zu Episode IV mit dem was letztlich in die Kinos kam, so sind zwischen diesen beiden kaum Gemeinsamkeiten feststellbar. Sogar der 2013 in Comicform veröffentlichte Rough Draft zu ANH weicht massiv vom endgültigen Produkt ab

Wir wissen nicht was in den Entwürfen steht, die Lucas mit allem anderen an Disney verkauft hat, aber was wir wissen ist, dass er seine Geschichte entwickelt während sie entstehen und gemacht werden. Seine Drehbücher sind nicht zu Beginn der Dreharbeiten fix und fertig, sodass man nur noch ein wenig an den Dialogen feilen muss, vielfach wurden die Bücher noch angepasst während schon gedreht wurde. Warum sollte dies hier nun anders sein?

Ich gehe immer noch davon aus, dass Abrams und Kasdan Arndts‘ Drehbuch massiv umgeschrieben haben (und nicht nur Kosmetik betrieben), aber ich gehe auch davon aus, dass Arndt selbst sich ziemlich genau an Lucas Treatment gehalten hat, ohne viel daran zu verändern.

Und wenn man die Urversion von Episode IV zu einem Drehbuch nur erweitert hätte, ohne sie groß zu verändern, ist es dann nicht besser, dass das Skript massiv überarbeitet wurde?

5. Werden wir es überhaupt merken?

Wenn wir alle am 17.12. im Kino sitzen und uns TFA ansehen, werden wir dann überhaupt merken, falls die Geschichte nicht (mehr) auf GLs‘ Ideen beruhen sollte? Werden wir auf eine Szene zeigen können und sagen: Lucas hätte so etwas nie geschrieben? Möglicherweise werden wir das tun und nun vielleicht sogar primär weil es diesen einleitenden Satz gibt, aber hätten wir das nicht ohne diesen Satz auch getan? Nun hätten wir die „Schuld“ wohl eher auf Abrams schlecht Umsetzung von Lucas‘ makelloser Geschichte geschoben.

Möglicherweise werde wir nie erfahren, was in diesen Story Treatments stand, die am 30. Oktober 2012 in den Besitz von Disney übergingen und möglicherweise ist das auch besser so.

Wird Episode VII und seine beiden Nachfolgefilme (wie auch die Spinn offs) nichts mehr von George Lucas enthalten?

Nun sie enthält, Luke, Han und Leia und Chewbacca und C-3PO und R2, sie enthält X-Flügler, den Millennium Falken und Lichtschwerter. Und die Macht.

Ist das nicht Antwort genug?

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2 Gedanken zu „George? George… wer?

  1. Tja, und dann war rund um den Dreh der neuen Trilogie ja hauptsächlich schlechtes zu hören. Die Tür „eines“ Raumschiff fällt auf Harrison Ford, die Darsteller haben wegen solcher Sicherheitsmängel wohl schon bammel. Aber das Schlimmste ist, dass vermutet wird, dass Tom Cruise durch seine Freundschaft mit Abram eine Rolle in der Trilogie bekommen will.

    Da frage ich mich eines, was wäre schlimmer? Sicherheitsmängel am Set oder Tom Cruise bei Star Wars?

  2. Ich will hier schnell noch meinen Senf dazugeben und zu dem Thema „George ist nicht an Star Wars beteiligt“ folgendes sagen:
    Warum nicht.
    Und damit mein ich das es vielleicht gar nicht so schlecht währe, das George Lucas am Neuen Film nicht beteiligt ist.
    Man sieht es Z.B. immer wieder an den Neuverfilmungen (!) (In mehrzahl ausgesprochen) der Orginalen Triologie:
    -Hier etwas weggelassen
    -Da was umgeändert.
    -hier geben wir einfach einen neuen Soundtrack an
    -Hier tun wie die Darsteller vertauschen

    Man bekommt einfach das Gefühl, das George Lucas zu den Menschen gehört, die nie wirklich zufrieden sind, mit dem sind woran sie arbeiten, wenn es fertig ist, sondern immer wieder etwas umändern.
    Außerdem muss man noch folgendes sagen:
    Nur wenn es etwas von Schöpfer kommt, bedeutet das nicht automatisch das es auch gut ist.

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