Es muss nicht immer episch sein

Einer der etwa 5 Millionen Gründe warum ich Star Wars liebe ist, dass etliche der Geschichten eine enorme Breite bzw. Tiefe haben, sei es weil die darin erzählten Ereignisse einen unmittelbaren Einfluss auf das Schicksal der Galaxis haben oder weil sie ins Herz dessen vorbringen was letztlich im Zentrum von SW steht: der Macht.

Die Mortis Trilogie aus Clone Wars ist wohl eines der besten Beispiele einer solchen epischen Geschichte, ebenso der die Serie abschließende Yoda-Arc, oder auch der Youngling 4-Teiler aus Staffel 5.

Die Episode „Path of the Jedi“ mit der die Serie aus der Weihnachtspause zurückkehrt, ist in vielerlei Hinsicht ebenfalls episch, ich frage mich jedoch, ob dies für eine Serie, dessen Fokus auf einer kleinen Gruppe Anti-Imperialer liegt, die versuchen zu überleben und vielleicht dem herrschenden System ein wenig Schaden zuzufügen wirklich notwendig ist.

Versteht mich nicht falsch: „Path of the Jedi“ ist eine gute bis sehr gute Folge, mit einigen enorm starken Momenten, aber gleichzeitig geht es in dieser Geschichte nicht um das Gleichgewicht zwischen der der hellen und der dunklen Seite und auch nicht darum einen Weg zu finden, den eigenen Geist nach dem Tod weiterleben zu lassen, sondern um die Verbindung eines „Jedi-Anwärters“, der kaum etwas über den Orden (bzw. die Macht selbst) weiß und dessen Lehrer, der über viele Jahre hinweg jede Verbindung zu diesem Energiefeld verleugnet hat zur Macht. Am ehesten lassen sich die Ereignisse dieser Folge noch mit dem oben angeführten Younglings-Arc vergleichen und das ist auch der Grund warum die Geschichte für mich letztlich doch funktioniert, denn Vieles von dem was Ezra hier widerfährt ist dem nicht unähnlich was Katooni, Petro und Co auf Ilum passiert ist. Dennoch hätte ich auch gut damit leben können, wenn Ezra „Aufnahmeprüfung“ ein wenig „irdischer“ abgelaufen wäre.

Wie ein Licht in dunkler Nacht

Wie ein Licht in dunkler Nacht

Doch der Reihe nach: Zu Beginn meditiert Kanan über einer holografischen Karte der über die Galaxis verstreuten Jedi-Tempel. Offenbar ist dies dasselbe Hologram, das auch die Warnung Obi-Wans aus dem Beginn der Serie enthält. Ob Kanan die Karte selbst erstellt bzw. wo er sie her hat erfährt man nicht, es scheint jedoch, dass sich Holocrons wieder mehr in Richtung des SW-Äquivalents von USB-Sticks entwickeln.

Dass es in der Galaxis neben dem Haupt-Tempel auf Coruscant noch eine ganze Reihe weiterer gibt kann ich problemlos akzeptieren, dass sich aber ausgerechnet einer davon auf Lothal befindet (und zwar scheinbar in dessen nördlichen Gefilden) ist jedoch schon ein sehr erstaunlicher Zufall. Auf der anderen Seite reisen Kanan und Ezra in dieser Folge wieder mit der „Phantom“ und diese verfügt nun einmal über keinen Hyperantrieb, sie hätten also Schwierigkeiten gehabt, einen Tempel auf einem weit entfernten Planeten zu erreichen.

Der Jedi Tempel auf Lothal - gut versteckt

Der Jedi Tempel auf Lothal – gut versteckt

Interessant in diesem Zusammenhang finde ich auch, dass Kanan sehr wohl weiß, dass das Imperium die einzelnen „Filialtempel“ aufspürt und zerstört, so ganz von der Macht abgewendet hat er sich scheinbar ja doch nicht. Möglicherweise erfahren wir aus dem im kommenden April startenden Kanan Comic von Marvel ja mehr in diese Richtung.

In seiner Ausbildung scheint Kanan häufig Sätze, die er von seinen Lehrmeistern gehört hat Ezra hinzuwerfen, vermutlich vielfach ohne sie selbst komplett zu verstehen bzw. zu glauben, was aber wiederum sehr gut zeigt, dass Kanans eigenes Training zu einem Zeitpunkt abgebrochen wurde, zu dem er selbst noch sehr viel Unterstützung brauchte. Ezra wiederum wirkt in mancher Hinsicht wie ein junger Anakin – ob es nun ein Fluch oder ein Segen ist, dass dieser jedoch keine gefestigte Figur wie einen Obi-Wan zur Seite hat wird sich noch zeigen.

Im Inneren des Tempels warten sowohl auf den Lehrer als auch den Schüler Prüfungen: während jene von Ezra einerseits an Lukes Erfahrungen in der Baumhöhle auf Dagobah (was ist dort drinnen – nur das was du mit dir nimmst) und andererseits an Yodas Visionen/Prüfungen auf dem Planeten der Priesterinnen (der Whills?) erinnern, erhält Kanan (und später auch Ezra selbst) Anweisungen und Rat von der Stimme Yodas.

Drei Jedi meditieren - zwei schon zu lange

Drei Jedi meditieren – zwei schon zu lange

Dazu folgende Fragen bzw. Überlegungen quasi als Gedankenfutter:

Zunächst ist es irgendwie fast seltsam nach all den Jahren, in denen Tom Kane den alten Jedimeister seine Stimme geliehen hat wieder Frank Oz als Yoda zu hören. Zu Beginn ist man fast versucht zu sagen: so klingt Yoda aber nicht!

Ich frage mich, was tatsächlich in dem Tempel ist. Während Ezra vor dem Inquisitor flieht und sich ihm letztlich stellt, während er sich seinen Ängsten darüber gegenübersieht was die anderen Crewmitglieder der Ghost von ihm denken und während er im „Nichts“ mit einem Jedimeister der ihm absolut unbekannt ist (ein durchaus seltsamer Gedanke) über Rache diskutiert – wo befindet er sich da im Hier und Jetzt?

Ist die Stimme, die zu Kanan und Ezra spricht wirklich Yoda? Ja, es ist Yodas Stimme, aber ist es auch Yoda? Mir gefällt der Gedanke irgendwie, dass es die Stimme der Macht ist, die da zu den beiden spricht und das diese einfach so klingt wie eben einer der stärksten Machtbenutzer des letzten Milleniums. Als Jugendlicher bin ich davon ausgegangen, dass als der sterbende Yoda zu Luke sagt, dass dieser nach seinem Tod der letzte der Jedi sein würde, dies daher kam, dass nur er und Obi-Wan (Ben) den Fall der Republik überlebt hätten, dass es also 19 Jahre lang tatsächlich nur noch 2 Jedi in der Galaxis gegeben hatte. Mittlerweile wissen wir, dass es jedoch auch noch andere gibt. Weiß Yoda tatsächlich von diesen und hat er Kontakt mit ihnen? Wenn ja, so würde das bedeuten, dass Kanan und Ezra (so wie alle anderen Jedi) zum Zeitpunkt von Episode VI tatsächlich tot sein müssen und dass Yoda das sehr wohl weiß. Vermutlich gefällt mir daher auch der Gedanke besser, dass Yodas Stimme in Wirklichkeit gar nicht Yoda gehört und dass dieser keinen Kontakt mit den anderen Jedi hat bzw. haben kann.

Letztlich besteht Ezra seine Prüfung doch etwas abrupt. Ich weiß nicht ob dies daran liegt, dass man die Folge zu einem Ende bringen wollte/musste, oder ob Yoda (bzw. die Macht) akzeptiert hat, dass der alte Weg der Jedi nicht (mehr) funktioniert (was wiederum gut zu den Lehren aus seiner Reise am Ende von Clone Wars passen würde), aber letztlich wird die Entscheidung darüber, ob Ezra würdig ist mit der Ausbildung fortzufahren recht rasch (und fast unerwartet) getroffen. Ebenso wie es dem jungen Mann schon sehr am Beginn seiner Ausbildung gelingt, sich sein eigenes Laserschwert zu bauen.

Nun hat die Schleuder wohl ausgedient

Nun hat die Schleuder wohl ausgedient

Was es sonst noch zu erwähnen gibt:

  • Hera weiß von den Ereignissen auf der Asteroiden (das mit Mama Fyrnock) – offenbar teilt Kanan sehr Vieles mit der Pilotin der Ghost.
  • Wir erfahren, dass es vor Order 66 10.000 Jedi gab – nicht dass mich diese Zahl überrascht, ich glaube wir haben bisher jedoch noch nie eine „offizielle“ Zahl gehört.
  • Ferner lernen wir, dass der Inquisitor nicht weiß, wie sich Kanan jetzt nennt. Er kennt ihn offenbar nur unter seinem tatsächlichen Namen Caleb Dume.
  • Wir sehen hier das erste Mal wie die Phantom in einer Atmosphähre von der Ghost abdockt.
  • Während Kanan vor dem Tempel meditiert hat er das Wasser/das Eis hinter sich – in der nächsten Szene ist es jedoch plötzlich vor ihm.
  • Die Lichtkugeln, die Ezra ins Innere des Tempel führen sehen so aus, wie die, die Yoda auf Dagobah zu der Baumhöhle leiten.
  • Es ist wohl unwahrscheinlich, dass Kanan oder Ezra je wieder zu dem Tempel zurückkehren werden.

Die obigen Bilder un noch viele mehr gibt es wie immer auf meiner Flickr Seite.

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3 Gedanken zu „Es muss nicht immer episch sein

  1. Interessant finde ich Erzas Lichtschwert.
    Es erinnert mich irgendwie an das Schwert des Inquisitors und an ein Schweißgerät.
    Ich würde es schon ironisch finden, wenn ausgerechnet der Inquisitor, also das wovor sich Erza an meisten fürchtet, ihn zum Bau seines Lichtschwerts inspiriert hätte.
    Außerdem ist mir aufgefallen das es einen (möglichen) zweiten Ermittler hat.
    Lässt da möglicherweise „Force Awaken“ grüßen?

    • Ezras Lichtschwert ist gleichzeitig auch ein Blaster. Daher auch der zweite „Ausgang“.
      Also sowohl eine elegante als auch eine unelegante Waffe.

  2. Ich mein, es waren schon immer rund 10.000 Jedi vor der Order 66, wenn man so durch die offiziellen visuellen Begleitbände der Filme schaut, allerdings war ich der Ansicht, dass diese Zahl während der Klonkriege einen starken Dämpfer bekommen hat…

    Wie auch immer, irgendwann muss ich mir mal die Zeit nehmen SWR gründlich durchzugucken. Im Augenblick interessiert mich dort natürlich am meisten die Frage nach Fulcrums Identität…

    So oder so bekommen wir wohl ein altes Gesicht zu sehen: Die Vorschau der nächsten Folge schreit förmlich nach einem Glückspieler… einem Schurken! Er wird euch gefallen!^^

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